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Zanny rannte weiter hinter Robin und REM her. Dieses bohrende Gefühl im Nacken wollte nicht nachlassen. Aber als sie sich an der nächsten Häuserecke umschaute, war da niemand. Endlich machten sie in einer dunklen Toreinfahrt Halt. Sie lehnte sich an die Wand, war völlig außer Atem, alles wurde nebelig um sie. Die Knie wollten sie nicht mehr tragen. Langsam rutschte sie in die Hocke hinunter. Ihr war so warm, und die Farbspiele hinter ihren geschlossenen Augen hypnotisierten sie. Neben den undeutlichen, sehr nervös klingenden Stimmen ihrer beiden Begleiter hörte sie ein seltsames Knurren - es war ihr Magen.
Dann spürte sie Robins Hand an ihrer Schulter. Er zog sie auf Beine und wartete, bis sie sich wieder gefangen hatte.
Er betrachtete anlegentlich seinen Arm. Die Neonleuchten von gegenüber flackerten über den glänzenden Chrom.
Die MatrixCom-Reklame spiegelte sich an seinen Fingern wieder. Sie pulste, der Rosaton verlieh seiner Hand fast
das Feeling von Fleisch.
Es ging zur Münsterstraße. Glücklicherweise war die weit weg vom Turf der Wrecker Boys. Sie kamen an diversen Gangposten vorbei. Keiner hielt sie an, eigentlich seltsam bei dem teuren Stück Tech, das REM dabei hatte. Aber die Münsterstraße zog sich durch ganz Rath durch. Hier galt ein unausgesprochenes Wegerecht. Etwas gutes hatte dieses Council of Rath dann doch gebracht. Die ließen auch die Schule in Ruhe. Robin war da mal für eine Weile hingegangen. Er hatte Zanny erzählt, daß dort für kurze Zeit eine verdammt muskulöse Frau die Chefin gewesen sei. Danach waren die Drogen dort verschwunden, und die Schule war seitdem ein Kontaktzentrum für Jugendliche aller Art. Den Lehrern war egal, wer da im Unterricht saß; Hauptsache, er störte diesen nicht. Typen, die das versuchten, machten dann Bekanntschaft mit Ralf, dem Hausmeister. Mit seinen 3 Meter 60 war der schon sehr beeindruckend. Er hatte Zanny auch schon mal geholfen gegen zwei der arroganten Turnschuhträger der Nike's. Das Mietshaus mit dem abgeblätterten Putz stammte aus dem letzten Jahrhundert. Das Schloß allerdings an der mit Brettern verstärkten Tür im vierten Stock war wie üblich das teuerste und neueste Stück der gesamten Einrichtung. Im Wohnzimmer hingen auf einer durchgesessenen Couch bereits zwei Leute rum, tranken Kaffee und starrten auf den Trideo. Jos, den Anführer der Infernal Justice, kannte sie zu ihrem Leidwesen schon. Er warf ihr auch gleich einen finsteren Blick zu. Das pummelige Teeniegirl mit dem schwarzen Bandero hatte sie noch nie gesehen. Um die beiden herum lag ein chaotischer Haufen von Chips- und Soyfood-Tüten, Kippen, Flaschen. In einer Ecke schien die gammelige Masse sogar zu zucken. Zanny wandte sich lieber ab. Während REM sich zu ihnen lümmelte, schob Robin sie weiter in die Küche. Das roch hier so gut, daß sie den Raum mit geschlossenen Augen gefunden hätte. Er setzte ihr das erste richtige Frühstück seit langem vor. Woher die das hatten? Klar war es Soyfood, aber echte Klasse. Sogar Nusspli gab es. Satt und völlig übermüdet schlief sie noch am Tisch ein. Die Arme über dem blankgegessenen Teller verschränkt. Sie träumte von Händen. Diese drehten sich langsam vor einem dunklen Hintergrund. Irgendwoher kam Licht, das im Rhythmus ihres derzeitigen Lieblingshits "Get up" von Xtrem h8 zuckte. Dann drehte sich die Hand zu ihr hin und schälte sich langsam ab. Zum Vorschein kam Chrom, die Finger wuchsen auf sie zu. Sie wollte weg, aber die Finger blickten sie durchdringend an.
In ihren Träumen hörte sie unzusammenhängende Stimmen ... |