Einige Tage zuvor in TirNaNog, Olaf Weyer

Professor Dr. Henry Jones, Inhaber des Lehrstuhls für Archäologie an der Universität von Dublin und Mitglied des Senats von TirNaNog summte fröhlich das Lied mit, das aus seinen Autoradio erklang. Nach einem Wochenendurlaub voller Ruhe und Entspannung war er voller Vorfreude auf seine Arbeit. Heute war keine Vorlesungen vorgesehen und keine politischen Veranstaltung geplant. Er konnte sich voll und ganz auf die Übersetzung alter ägyptischer Schriftrollen konzentrieren. Diese stammen von einer Expedition, die vor einigen Jahren mit ein paar Schattenläufern vom Kontinent in Ägypten gemacht hatte. Er fühlte, daß er kurz vor dem Durchbruch stand. Er fand heraus, daß die Pergamente in Schriftsprachen der ersten zehn Dynastien verfaßt wurden. Der ehemalige Besitzer dieser Bibliothek hatte auch glücklicherweise ein Verzeichnis angefertigt, daß die Unterschiede der Schriftzeichen der einzelnen Dynastien aufzeigt. Interessant ist auch die Tatsache, daß Schriftrollen und Steintafeln mit babylonischer Keilschrift Bestandteile der Bibliothek waren.
Glücklicherweise gab es auch dafür eine "ägyptischen" Übersetzung. Weiterhin vermutete er, daß manche Pergamente und Steintafeln magische Formeln enthalten. Eineinhalb Jahre haben die Vorbereitungen, das Katalogisieren, die Vorarbeiten und das Programmieren des Computer gedauert bis er in der Lage war, die Schriftrollen fließend zu übersetzen. Nebenbei mußte er seine anderen Verpflichtungen als Professor und Politiker nachkommen. Wäre dieses Wochenende, das er bereits zweimal verschoben hatte, nicht dazwischen gekommen, hätte er längst mit der Hauptarbeit anfangen können. Allerdings war er auch nicht enttäuscht über dieses Wochenende: nach eineinhalb Jahren harter Arbeit kam es auf drei Tage auch nicht mehr an.

Beschwingt setzte er seinen Wagen auf seinen Privatparkplatz in der Tiefgarage der Universität. Er war nicht zu Hause gewesen, hatte diesen Fall allerdings vorausgesehen und einen Anzug in einem Koffer mitgenommen. Er zog sich in einer Ecke der Tiefgarage um. Packte seinen "Arbeitsanzug", Peitsche und Manhunter in den Koffer und stellte ihn in den Kofferraum seines Autos. Neben den Koffer legte er seinen Hut, der trotz aller Fährnisse immer zu ihm zurückkam.
Nachdem er seine Brille aufgesetzt hatte schritt er gemessenen Schrittes in Richtung Fahrstuhl, ignorierte ihn und nahm die Treppe.
Der Trick gelang...
...fast!

Einige Studentinnen hatten etwas geahnt (oder einen Watcher beschworen) und erwarteten ihn am Treppenhauseingang auf der Etage, wo sich sein Büro befindet. Mit einiger Mühe und den Versprechen bestimmte Hausarbeiten schneller durchzugehen bahnte er sich einen Weg zu seinen Räumen. Dabei fing er an eine Doktorarbeit zu lesen und betrat sein Büro. Er merkte gar nicht, daß seine Sekretärin nicht anwesend war. Als er durch das Vorzimmer sein Büro betrat merkte er, daß dieses fast vollkommen leer war. In seinem Büro befanden sich zwei Personen. Die eine Person saß an dem einfachen Tisch, der neben drei Stühlen, zwei Reisekoffern und einer Aktentasche den einzigen Einrichtungsgegenstand in diesem Raum war. Diese Person war unschwer zu erkennen ein Elf. Die andere Person stand am Fenster und schaute hinaus. Sie war eine junge Frau mit langen, rotblonden Haaren wo an den Seiten leicht die spitzen Ohren aus den Haaren hinaus schauten.
Dr. Jones schaute ziemlich entgeistert in den Raum der möbliert einmal sein Büro war. "Guten Tag Senator", begrüßte ihn der Elf am Tisch, "wie geht es Ihnen?" "Lassen Sie doch die Floskeln Sir Gey!" fuhr ihn Jones an und zu der Person am Fenster gewandt: "Was ist hier los Pat?" Von der Person am Fenster kam keine Reaktion, sie schaute weiter nach draußen. "Ich bin hier, wegen Ihren letzen Forschungsarbeiten." fuhr Sir Gey unbeirrt fort. "Diese Forschungsarbeiter haben einen Stand erreicht, daß die Ergebnisse vor ihrer Veröffentlichung genau geprüft werden müssen. Es ist zu Befürchten, daß ..." "Sparen Sie sich Ihre Phrasen!" unterbrach ihn Dr. Jones. Unbeirrt fortfahrend: "... die Ergebnisse zu Irritationen und Fehlinterpretationen unter denen führt, die nicht in der Lage sind, sie richtig zu verstehen. Außerdem ist das magische Wissen hierbei ein Schatz, daß seines Gleichen sucht."
"Ich wußte gar nicht, daß ich meine Arbeit bereits veröffentliche habe!" unterbrach ihn Dr. Jones erneut. Ein sarkastisches Lächeln war die Antwort: "Das Studium war sehr interessant. Nur sollten sie ihren Computer mit einfallsreicheren Paßwörtern schützen."
"Oder mich vorher vergewissern, daß keine Wanzen, Geister, Watcher oder astral präsente Magier sich im Raum aufhalten." fuhr Dr. Jones den Satz fort. "Aber sie sind mit Sicherheit nicht hier, um über die Sicherheit meines Computers zu diskutieren. Was will der "Laufbursche" der "Familie" von mir?"
Leicht erregt erwiderte Sir Gey: "Erstens bin ich kein "Laufbursche" und zweitens haben sie leider zu viele gute Freunde." und sein Blick ging in Richtung der Person am Fenster. Er fuhr weiter fort: "Wenn es nach mir gehen würde...,
...aber nach mir geht es leider nicht. Meine Auftraggeber möchten ihre Ergebnisse quasi kaufen. Nicht das sie eine Wahl hätten ... oder doch ... vielleicht? Aber dieses vielleicht wäre ziemlich endgültig! Meine Auftraggeber würden sie lieber auf ihrer Seite sehen und eventuell noch einmal auf ihre Erfahrung und ihr Wissen zurückgreifen." Er stellt die beiden Koffer auf den Tisch und öffnete sie.
Dr. Jones schaute in die Koffer. In dem einen Koffer befanden sich bündelweise irische Pfundnoten in der höchsten Stückelung. In dem zweiten Koffern befanden sich Aktien, Schuldverschreibungen, Optionsscheine, etc.; bei weitem mehr Wert, als der Geldkoffer je enthalten würde, schätzte Dr. Jones. Sir Gey holte zwei Umschläge aus seiner Jackentasche und warf den einen auf den Geldkoffer: "Sie werden feststellen, meine Auftraggeber waren sehr großzügig. Viel zu großzügig nach meinem Geschmack." sagte Sir Gey dabei und Dr. Jones verkniff sich seinen Kommentar. Sein Meister sagte einmal zu ihm: "Es gibt eine Zeit zu Reden, zu Handeln und zu Schweigen. Nach Dr. Jones Meinung war jetzt der dritte Weg angesagt.
Sir Gey fuhr fort: "Ihnen wurde ein Konto bei der irischen Nationalbank eingerichtet. Wir haben uns erlaubt ihre sämtlichen Konten dorthin umzuleiten und großzügig aufgestockt. Das gleiche gilt für ihre Wertpapiere, die sie vorher besessen haben. Wir haben auch dort ein gut gefülltes Wertpapierdepot mit in- und ausländischen Wertpapieren eingerichtet. Dabei haben wir die Wertpapiere, die sich bereits in ihrem Besitz befinden, auch dort untergebracht. Alles in allen gesehen sollten sie jetzt mehrfacher Millionär sein. Damit dürfen sie mehr als genug für ihre Arbeit erhalten haben und sie sollten in der Lage sein ihr Büro und ihre Wohnung neu einzurichten; ebenso für neue Kleidungsstücke."
Eine Bemerkung konnte Dr. Jones sich doch nicht verkneifen: "Was haben meine Kommode, mein Schal, meine Socken mit ägyptischen Schriftzeichen zu tun?"
"Wir wollten auf Nummer sicher gehen, daß wir nichts übersehen. Wissenschaftler haben die Angewohnheit an den unmöglichsten Orten Notizen zu machen. Im übrigen war ich noch nicht fertig. Sie brauchen sich um ihre politische Karriere keine Gedanken mehr zu machen. Einerseits steht nichts dagegen, daß sie weiter Senator bleiben und andererseits können sie in einer der nächsten Amtsperioden damit rechnen in die Regierung berufen zu werden, wenn sie sich als würdig erweisen. In dem anderen Briefumschlag befindet sich eine Einladung einer Vortragsreihe in der Ruhruniversität in die ADL; inklusive Reisespesen. Das soll verhindern, daß sie spontan irgendwelche Dummheiten machen und Zeit erhalten mit der Situation klar zu kommen. Wie gesagt, wenn es nach mir gehen würde ... Somit haben sie ausreichend Kompensation für die Daten und die Arbeit erhalten. Ich nehme nicht an, daß sie so dumm sind, das Angebot abzulehnen. Einen schönen Tag noch." Sir Gey stand auf und verließ den Raum. Erschlagen von den Tatsachen machte Dr. Jones sich nicht die Mühe ihn aufzuhalten. Die Frau am Fenster drehte sich um und schaute ihn mit großer Traurigkeit an: "Ich habe getan, was ich konnte und eine Vereinbarung getroffen, daß sowohl die eine Seite zufriedenstellt und ... " Sie suchte nach den richtigen Worten. Dr. Jones nahm es ihr ab: "Ich weiß, was du meinst! Ich hatte mehr oder eher weniger die Wahl zwischen dem da ..." dabei deutete er auf die Koffer "oder die Daten als Toter zu behalten. Ich weiß ganz genau, was du getan hast und ich wage gar nicht zu fragen was du alles versprechen mußtest um dies zu erreichen. Ich werde wohl ewig in deiner Schuld stehen, obwohl ich ziemlich wütend darüber bin, daß meine ganze Arbeit quasi vergebens war. Das irgendwelche ..." er unterbrach sich.
"Ja ich weiß! Ich werde jetzt meine Klappe halten, mich abregen und Urlaub machen. Ich glaube, ich werde brav sein und auch die Reise nach Deutschland machen. Ich denke, ein paar Vorlesungen und ein paar ruhige Tage in Deutschland abseits von Tir-Na-Nog werden mich auf andere Gedanken bringen." "Soll ich mitkommen?" fragte Patricia. "Nein! Verstehe meine Antwort nicht falsch. Das geht nicht gegen dich. Aber ich denke, du solltest hier bleiben, für den Fall, daß die Herrschaften sich das anders überlegen. Deine Anwesenheit hier wird sie eher daran erinnern das Abkommen nicht einseitig zu ändern." erwiderte Dr. Jones. "Sollte ich Hilfe brauchen, so werde ich dich rufen. Allerdings denke ich nicht, daß das passieren wird. Was soll schon in Deutschland passieren ...?"




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