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Da waren wir also - Seattle - hier wo alles begann. Nun, nicht alles, aber zumindest meine Laufbahn als Shadowrunner.
Ich kontaktierte Shadow Hawk, der mir und meinen Gefährten auch den Flug organisiert hatte, um ihm mitzuteilen,
daß wir angekommen waren... Nicht, daß er das nicht ohnehin schon wüßte!
Er organisierte auch einen Magier, der in den folgenden Tagen verfügbar sein würde, wenn etwas schief laufen sollte.
Ich hatte ja bereits bei Chosen in Australien gesehen, wie hart eine derartige Queste sich auf den Körper
niederschlagen konnte.
Ich suchte also zunächst ein passendes Gebäude. Fündig wurden wir in Downtown, wo gerade einer der zahlreichen Konzerne ein neues Bürohaus fertigstellte. Noch war es allerdings im Bau und somit ein idealer Platz, um das verlängerte Wochenende ungestört zu verbringen. Den saubersten Raum fanden wir ganz oben, vermutlich das zukünftige Chefbüro. Hier schlugen wir unsere Zelte auf.
Nach ein paar Stunden, in denen wir die beeindruckende Seattler Skyline von hier oben aus beobachteten, fühlte ich mich bereit, den nächsten Schritt zu tun.
Ich versank in Meditation und der Raum um mich herum verschwand in Dunkelheit. Lange Zeit schwebte ich im
Nichts, bis plötzlich ein Augenpaar - sehr große Katzenaugen - auf mich herabblickten. Eine tiefe, sehr
machterfüllte Stimme sprach mich an.
"Was willst Du hier?"
Ich versuchte meine Anwesenheit hier, deren Ziel es war, die nächste Ebene der Initiation zu erlangen,
mit Umschreibungen wie "Ich versuche mich selbst zu finden" oder "Ich beschreite meinen Weg" zu umschreiben.
Offensichtlich waren alle diese Antworten nicht zufriedenstellend.
"Was willst Du hier? Was ist Dein Ziel?"
Mein Ziel? Was war mein Ziel? Ich wollte den nächsten Grad erreichen. Aber offensichtlich dachte ich in
zu kleinen Schritten. Katze wollte mein endgültiges Ziel wissen, wobei diese 3 Tage in Seattle oder wo
auch immer ich jetzt war, nur ein Schritt auf dem Weg dorthin waren.
Mein Ziel war es an Macht zu gewinnen, nicht an weltlicher Macht, sondern an spiritueller Macht, denn
diese Macht sorgte für eine bessere Lebensqualität, wie sie es schon im letzten halben Jahr
(wenn man mal von ein paar Rückschlägen absieht) getan hatte. War dies mein Ziel? So richtig sicher war
ich mir selbst nicht. Katze merkte dies offentsichtlich und stellte die Frage erneut.
"Was ist Dein Ziel?"
Diesmal antwortete ich kurz und prägnant mit Perfektion! Eigentlich umschloß dies das vorher gesagte,
aber irgendwie war es doch mehr. Katze stockte kurz und fragte dann
"Perfektion? Du sagtest eben etwas von Lebensqualität!?"
Natürlich, denn die Perfektion brachte Lebensqualität, alles wurde leichter, die Gegner wurden zu Opfern,
denen gegenüberzutreten eher einem Spiel als einem Kampf gleichkam... Perfektion!
Katze war offensichtlich zufrieden mit meiner Antwort - ich hatte endlich erkannt, warum ich hier war!
Es wurde wieder dunkel.
Ich stand in einem dunklen Gang. Sofort wurden mir die Erinnerungen an diesen Ort bewußt.
Hinter der nächsten Tür stand Orphan, ein Mafiosi hielt ihr eine Pistole an den Kopf, oder er hatte bereits
auf sie geschossen. Ich versuchte mich zu erinnern, das gelernte umzusetzen. Ich wußte ja bereits, wo sich der
Mann befunden hatte. Ich zielte also auf diesen Punkt hinter der Tür und riß die Tür auf. Nichts!
Eine Kugel traf mich und ich versank in Dunkelheit. Die Schmerzen hielten sich in Grenzen.
"Es ist nicht immer gleich! Du darfst nicht den Fehler machen,
Deine Konzentration auf einen Punkt zu legen, und andere außer Acht zu lassen."
Ja, daß war mir in dem Moment auch bewußt, aber es war bereits zu spät. Irgendwie freute ich mich über
meinen Fehler, da es sich hier "nur" um eine Prüfung handelte!
In der Welt da draußen hätte es schlimmer enden können. Dort waren solche Fehler unverzeilich!
Ich erhielt offensichtlich eine weitere Möglichkeit, meine erlernten Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, denn ich fand mich in Rath wieder. Jetzt flog ich stundenlang bis nach Seattle, um an den Ort meiner Lehre zurückzukehren, nur um mich in Rath wiederzufinden. Ich ging über die Straße, als mir plötzlich zwei unbekannte Ganger den Weg versperrten. Sie suchten Streit, das war offensichtlich, daher waren friedliche Bemühungen von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Sie sollten ihre Lektion bekommen. Da ich als einzige Waffe meinen Schlagstock mit mir führte, zog ich diesen und öffnete den Teleskopverschluß in einer eleganten Bewegung, die den beiden meine Entschlossenheit und Selbstsicherheit demonstrieren sollte. Der erste griff an und wurde durch meinen Gegenangriff am Arm getroffen. Ein guter Einstieg! Die Schläge wechselten sich ab und nachdem ich beide verwundet hatte, waren sie nur noch leichte Beute für mich. Ich ließ sie noch ein wenig zappeln und beendete den Kampf dann. Es wurde offensichtlich besser. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Dunkelheit umhüllte mich.
Auch dieser Ort war mir aus Rath bekannt. Ein Tunnel, schleimig, schmierig, eine übelriechende Kloake! Hier hauste ein Rattenschamane namens Maniac. Ich wußte, mein Weg führte mich nach vorne, aber wie sollte ich hier weiterkommen. Das war wirklich unzumutbar. Ich fand einen schmalen Grat, auf dem sich die Verunreinigung zumindest in Grenzen hielt und versuchte auf diesem weiterzukommen. Es war sehr glitschig, und ein paar Mal hätte ich beinahe das Gleichgewicht verloren, aber ich konnte mich wieder fangen und kam am Ende schweißnaß und einigermaßen erschöpft in der rettenden Dunkelheit an!
Wieder erschien eine Szenerie in Rath, diesmal befand ich mich in unserem Workroom. Ich war gerade dabei, unser Schloßsystem zu überarbeiten, damit die neugiereigen Anwohner es etwas schwieriger hatten, ihre Fähigkeiten daran zu erproben. Es gelang mir so gerade, aber die Anstrengung war ebenfalls sehr hoch gewesen. Ich fühlte mich schon sehr müde, als die Szene von neuem begann.
Wieder saß ich vor dem Schloß und arbeitete fieberhaft weiter daran. Ein Funke sprang über und fügte mir leichte Verbrennungen zu. Es wurde wieder dunkel.
Ich erwachte in dem Raum in Seattle, wo die Reise begonnen hatte und fühlte mich plötzlich wieder gut.
Meine Gefährten waren nicht hier. Sollte dies die letzte Probe werden? Nein, es war geschafft.
Als mir dieser Gedanke durch den Kopf schoß, kehrte ich in meine Welt zurück.
Meine Gefährten waren wieder um mich, genauso die Schmerzen, die mein Körper erdulden mußte.
Der Magier heilte meine Verwundungen, und die nachfolgende Nacht meine Erschöpfung.
In den folgenden Tagen zeigte ich meinen Begleitern die Stadt, und eine gute Woche später
flogen wir nach Deutschland zurück, nur Snake trennte sich von uns,
da er noch wichtige Dinge in Tibet zu erledigen hatte.
Aber wir sollten ihn schon bald wiedersehen (zumindest Sammy und ich)!
Die häufigen Szenerien in Rath verdeutlichten mir, daß meine Entscheidung damals offensichtlich
die richtige war. Ich hatte mit Seattle abgeschlossen, meine Heimat war jetzt Deutschland geworden.
So sah es wohl auch Katze! Und ich hatte hier noch einiges zu lernen...