Background
Stefan Kirch
ist ein guter Mensch. Fragen Sie nur die Leute, die ihn näher kennen.
Er mag Kinder, streichelt Haustiere und hat immer ein offenes Ohr für
die Nöte seiner Mitmenschen. Das war nicht immer so.
Schon kurz nach seiner Geburt im
nicht gerade idyllischen Frankfurt-Bischofsheim wurde Peter Wieczorek der
Kontrolle seiner offensichtlich erziehungsunfähigen Mutter entzogen,
und in die Obhut des Sankt Dagobert Asyls für benachteiligte Jungen
übergeben, wo er zu einem ehrenwerten Mitglied der Gesellschaft ausgebildet
werden sollte. Die Mauern des Asyls erwiesen sich aber leider als zu klein
für den Tatendrang des Knaben, nach einigen unangenehmen Vorfällen,
bei denen zum Beispiel ein Stockwerk des Asyls ein Opfer von leichtfertig
gelegtem Feuer wurde, verschlug es Peter in die Jugendstrafanstalt Fechenheim,
ein Ort an dem dem unternehmungslustigen Jugendlichen alle Möglichkeiten
offenstehen.
Dort lernte der 13-jährige
manches fürs Leben. Nach einer Grundausbildung im Gewalt und Unterdrückung
wurde er in die Feinheiten der organisierten Kriminalität eingeführt
und stieg dank ausgezeichneter Leistungen bald zur rechten Hand Jewgeni
Jalenkows, dem Anführer der in Fechenheim inhaftierten russischen
Emigranten, auf. Mit Hilfe von Jewgenis gutem Rechtsbeistand gelang es
einige Zeit später Peters Entlassung aufgrund einer Positiven Sozialprognose
und guter Führung zu erwirken, so das einer weiteren Zusammenarbeit
der beiden bei Jalenkow Ex- und Import, eines mittelständischen Unternehmens,
das im Familienbesitz der Jalenkows war, nichts im Wege stand.
Motiviert durch neue Aufstiegsmöglichkeiten
und größere Aufgaben beeindruckte Peter seine Vorgesetzten erneut
durch Zielstrebigkeit und Durchsetzungskraft. Ihm und seinen Mitarbeitern
gelang die Rückgewinnung eines Teils der Altstadt von Frankfurt, die
einigen japanischen Organisationen zugefallen war. Die Selbsttötungen
einiger traditionsbewusster Asiaten waren zwar bedauerlich, aber im Ganzen
nicht unerwünscht.
Analysten des BKA prophezeiten Wieczorek
eine große Zukunft, da er ein großes Maß an Initiative
mit der nötigen Unauffälligkeit verband. Aber der 19.11.2056
änderte einiges in Peters Leben. Der Routineauftrag von Onkel Ivan
Jalenkow, einem vielversprechenden Hexer ein Angebot zu machen, das er
nicht ablehnen konnte, entpuppte sich als schwieriger als erwartet.
Nach einigen Minuten lag der Magier,
von mehreren Projektilen getroffen, tot am Boden und Wieczorek sah sich
mit einem erschreckend erregtem Geist konfrontiert. Als er wieder zu sich
kam waren zwei seiner Begleiter tot, der dritte schwer verletzt, aber Peter
bis auf ein paar Schrammen unversehrt. Allerdings gingen in den nächsten
Tagen einige fast unmerkliche Veränderungen in ihm vor, die ich bis
heute nur recht unzureichend erklären kann. Er schien erste Anzeichen
für ein ethisches Bewußtsein zu entwickeln.
Drei Wochen später nahm Peter
Wieczorek Kontakt mit einem unserer verdeckten Ermittler auf und bot uns
an, im Austausch für eine Aufnahme in unser Zeugenschutzprogramm,
entscheidend zur Auflösung der Jalenkow Im- und Export KG beizutragen.
Meine Vorgesetzten stimmten einer solchen Vereinbarung zu und Wieczorek
versprach bald wieder mit uns Kontakt aufzunehmen. Am Neujahrsmorgen 2057
kam Ivan Jalenkow durch einen Sprengsatz in seinem Daimler Diplomat ums
Leben, sein Neffe Jewgeni starb wenig später bei einem Überfall
auf sein Restaurant durch eine rivalisierende asiatische Organisation.
In wieweit Wieczorek mit diesen
Vorfällen zu tun hatte, konnte leider nicht abschließend aufgeklärt
werden. In der Nacht vom 23. auf den 24. Januar 2057 gelangen dem BKA 163
Vehaftungen im Umfeld des organisierten Verbrechens, Peter Wieczorek wurde
getötet als er und seine Leibwächter sich der Festnahme widersetzten.
Nach einigen Wochen Aufenthalt in
einer BIS Klinik in der Schweiz kehrte Stefan Kirch als neuer Mensch in
die ADL zurück und machte sich daran sein Glück zu finden. Sein
Weg führte ihn in den Rhein Ruhr Metroplex, nach Düsseldorf-Mörsenbroich.
Hier hat er inzwischen mehr Positives getan als ich je zugetraut hätte.
Seine Persönlichkeitsveränderung, die meiner Meinung nach auf
eine starke magische Einwirkung zurückzuführen ist, scheint seit
Anfang 2059 abgeschlossen zu sein. Ich hoffe, das sie auch endgültig
ist. |
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